TARTSCH – Seit Jahren setzt sich die ARGE iatz! dafür ein, Südtirols regionale Eigenständigkeit zu stärken und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Diese Eigenständigkeit ist weit mehr als ein politisches Leitbild: Sie ist Voraussetzung dafür, kulturelle Identität, sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Kraft langfristig zu bewahren. Gerade in Zeiten zunehmender Zentralisierung und wachsender Abhängigkeiten zeigt sich, wie wichtig Entscheidungen vor Ort, regionale Wertschöpfung und verlässliche lokale Strukturen sind.
Vor diesem Hintergrund lud die ARGE iatz! zu den Gesprächen am Tartscher Bichl. Unter dem Motto „Regionale Eigenständigkeit trifft starke Wirtschaft“ wurde rasch deutlich: Politische Entscheidungsfreiheit, regionale Wertschöpfung und lebendige Dorfgemeinschaften bedingen einander. Den Auftakt zur Gesprächsrunde bildete eine Präsentation lokaler Biere, die die Vielfalt und Kreativität kleiner Brauereien in Südtirol sichtbar machte. Anschließend folgte ein gemeinsames Mittagessen, das ausschließlich aus regionalen Produkten zubereitet wurde.
Wie unmittelbar diese Zusammenhänge den Alltag prägen, machte der Schludernser Bürgermeister Heiko Hauser gleich zu Beginn deutlich. Er brachte die Bedeutung lokaler Verantwortung auf den Punkt: „Zentrale Ministerien sind weit weg. Lokale Verwaltungen kennen Land, Leute und Abläufe. Wir können schneller handeln.“ Am Beispiel seines Dorfes mit 1.900 Einwohnern zeigte er, worum es konkret geht: „Wir haben noch einen Hausarzt, eine Kinderärztin, eine Bank, eine Bäckerei, ein Postamt – und sechs Gasthäuser, in denen man reden kann. Das will ich erhalten.“ Dafür brauche es weniger Bürokratie und mehr Aufträge für Betriebe vor Ort. „So bleibt die Wirtschaft lebendig.“
Alberich Hofer, Obmann der Südtiroler Bergbauern, formulierte den Zusammenhang noch pointierter: „Ohne regionale Eigenständigkeit kein Essen, keine Sicherheit, keine Freiheit. Lebensmittel aus der Region sichern uns – und die Landschaft. Über 4.000 Bergbauern produzieren Milch und Milchprodukte. „Die Milch ist das weiße Gold der Alpen.“ Jeder Einkauf sei daher auch eine Entscheidung für Südtirol: „Wer Südtiroler Produkte kauft, kauft nicht nur gesund. Er erhält unsere Bauern, unsere Landschaft, unsere Kulturgüter, unsere Heimat.“
Jungunternehmer Lukas Gerstl zeigte, wie regionale Verantwortung unternehmerisch umgesetzt werden kann. In seinem Hotel setzt er auf das Prinzip R30: Alle Lieferbetriebe stammen aus einem Umkreis von 30 Kilometern. „Kein Fleisch mehr von außerhalb. „Bier aus Schlanders statt Importware.“ Sein Anspruch lautet: „Regionale Projekte weiterdenken, mutig umsetzen.“
Der Bürgermeister von Mals, Josef Thurner, weitete den Blick auf Kultur und Gemeinschaft: „Neue Produkte aus aller Welt darf man probieren. Aber im Herzen müssen wir bleiben, wie wir sind. „Authentisch, unverfälscht, mit unserem Dialekt, unserer Kultur, unserer regionalen Wertschöpfung.“ Zugleich stellte er eine Frage, die den Kern regionaler Verantwortung trifft: „Kann ein Sportverein bei Amazon um Sponsoren bitten? Oder die Feuerwehr bei Meta Spenden sammeln? Nein. „Es kommt auf uns und unsere Leute an.“
Auch der Schutz regionaler Wirtschaftskreisläufe und alpiner Lebensräume wurde thematisiert. Dabei wurde deutlich, dass politische Prioritäten die Realitäten vor Ort ernst nehmen müssen: „Wolf und Bär dürfen nicht mehr gelten als unsere Nutztiere auf den Almen – oder gar unsere kleinen Betriebe im Tal“, hieß es warnend.
Der Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes, Christoph Schmid, fasste die Gespräche zusammen: „Die Freiheit, vor Ort das wirtschaftliche und soziale Gefüge zu gestalten, wird immer wichtiger. Geht die Eigenständigkeit verloren, leiden Wirtschaft, Kultur und soziales Gleichgewicht. Nur wer regionale Strukturen schützt, wer Landschaft, Betriebe und Kultur rechtzeitig sichert, wird auch in Zukunft Lebensmittelsicherheit garantieren können.“
Kernbotschaft der Gespräche: Regional entscheiden, regional einkaufen, regional leben – damit Südtirol stark, eigenständig und lebenswert bleibt.