Freiheitskämpfer Sepp Mitterhofer verstorben

MERAN – Am Sonntag, den 21. November 2021 ist der ehemalige Freiheitskämpfer Sepp Mitterhofer im Alter von 89 Jahren verstorben.

Unbeugsamer Kämpfer für die Freiheit

Sepp Mitterhofer, Jahrgang 1932 übernahm schon früh von seinem Vater Jakob Mitterhofer den „Unterhaslerhof“ in Obermais. Er nahm im November 1957 an der Großkundgebung auf Schloss Sigmudskron teil und widmete sich fortan dem Südtiroler Freiheitskampf. Sepp heiratete 1958 Maria Lex vom Tannharthof, damals Marketenderin bei der Bürgerkapelle Obermais. Im gleichen Jahr trat er über seinen Freund Jörg Pircher aus Lana dem Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) bei. Gemeinsam mit Sepp Kerschbaumer und einem harten Kern wurden Aktionen und Sprengstoffanschläge vorbereitet und durchgeführt. Nach seiner Verhaftung am 15. Juli 1961 musste Sepp Mitterhofer unmenschliche Folterungen in der Carabinieri-Kaserne von Meran erdulden. Beim Mailänder Prozess wurde er zu über 12 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 8 Jahre absitzen musste.

Sepp war Musikant der Bürgerkapelle Obermais. Als Gründungsmitglied der Schützenkompanie Obermais wurde er zum Ehrenmitglied der Kompanie ernannt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis war Sepp Mitterhofer politisch tätig und setzte den Kampf um die Selbstbestimmung und die Freiheit Tirols unbeirrt fort. Er baute den Südtiroler Heimatbund (SHB) auf und setzte mit Eva Klotz u.a. namhaften bereits in der Landespolitik aktiven Vertretern parteipolitische Akzente für eine Selbstbestimmung des Südtiroler Volkes.

Er unterstützte das Schützenwesen, wo immer er konnte und legte viel Wert auf engste Zusammenarbeit zwischen dem Südtiroler Heimatbund und dem Südtiroler Schützenbund. So bei den Gedenkfeiern für Sepp Kerschbaumer in St. Pauls, bei der Andreas-Hofer-Landesgedenkfeier in Meran und bei vielen weiteren Veranstaltungen.

Bei zahlreichen Vorträgen begeisterte Sepp Mitterhofer Mitbürger, Freunde und Befürworter der Tiroler Freiheitspolitik im In- und Ausland.

Sepp Mitterhofer wird in die jüngere Geschichte Tirols als standhafter und unbeugsamer Kämpfer für die Freiheit Tirols eingehen und vielen Schützen Vorbild für Mut und Tapferkeit bleiben. Er möge ruhen in Frieden und von da oben auf unser Landl aufpassen.

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, den 25. November um 14.30 Uhr im Friedhof in Untermais statt.

Gedenkrede des Landeskommandanten

Lieber Sepp!

Du warst ein mutiges Vorbild für viele Mitbürger, Freunde und Schützenkameraden
Du warst ein geradliniger Verfechter des Selbstbestimmungsrechtes
Du warst ein unbeugsamer Kämpfer für die Freiheit unseres Landes

Wir tragen mit dir – lieber Sepp – heute ein Stück Tirol zu Grabe, ein Stück Tirol – für das du und viele Mitstreiter unerschrocken gekämpft haben, ein Stück von dem Tirol zu Grabe – von dem wir alle geträumt und dafür gekämpft haben.

Lieber Sepp, du warst mir Vorbild in der Kindheit, in der Jugend und standst mir als enger Freund und Nachbar stets in vielem zur Seite.

Als du dich nach deiner Freilassung vom Gefängnis zeitweise einsam in Falzeben zurückzogst, konnten wir in langen persönlichen Aussprachen viele Gemeinsamkeiten im Kampf um die Einheit Tirols festhalten.

Du hast mir damals gesagt: „mit Waffen und Sprengstoff haben bereits wir gekämpft – und wir haben die Welt auf unser Schicksal im südlichen Tirol aufmerksam gemacht. Die Opfer waren groß, wir wurden gefoltert, eingesperrt und von unseren eigenen Politikern verleugnet und im Stich gelassen. Jetzt geht’s um ein Aufrütteln unserer Landsleute – und unserer Landespolitiker – und alle friedlichen Mittel müssen uns dabei recht sein.“

Deine Worte blieben nicht ungehört, aber nur wenige hatten Mut diesen Volkstumskampf unbeirrt weiterzuführen. Der heutige Widerstand staut und siecht dahin in unseren trägen Köpfen.

Der heutige Widerstand erfolgt überwiegend Leise, bei vorgehaltener Hand und mit großer Rücksichtnahme auf das bereits angepasste Umfeld. Das Jahrzehnte lange Wirken für unsere Heimat an deiner Seite und an der Seite weiterer Freiheitskämpfer und Verfolgter der 6o.-Jahre erfüllt mich rückblickend mit viel Stolz.

Deine gesetzten Ziele konnten nicht alle erreicht werden, aber sei versichert, lieber Sepp, wir werden dein Wirken für die Heimat immer in Ehren halten und deinen lebenslangen Einsatz für die Selbstbestimmung stets würdigen und wach halten.

Und als Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes kann ich dir versichern: Noch ist nicht alles verloren – wir geben nicht auf – dein Einsatz für Tirol wird unvergessen bleiben.

Lieber Sepp, schau guat auf inser Landl von do obn und ruhe in Frieden.

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