Schutz der deutschen Sprache in Ballungszentren

Die deutsche Schule gilt es in Südtirol zu schützen. Im Bild (von links) vom Landesbeirat der Eltern Heidrun Goller, Sprachforscherin Andrea Abel, L.Abg. Brigitte Foppa, Moderator Thomas Sinha, L.Abg. Myriam Atz-Tammerle, der Medienreferent der Schützen Efrem Oberlechner und L.Abg. Tamara Oberhofer.

LEIFERS – „Südtirol hat ein gut funktionierendes deutsches Schulsystem, das der wesentliche Pfeiler des Minderheitenschutzes ist. Doch neuerdings wird mit Experimenten wie Immersion, CLIL und Mehrsprachigkeit an unserem bewährten deutschen Schulsystem gesägt“, stellt Efrem Oberlechner fest. Der Medienreferent des Südtiroler Schützenbundes diskutierte mit mehreren Vertretern aus Bildung und Politik über eine mögliche Italianisierung der deutschen Schule in Südtirol.

„Identität läuft Hand in Hand mit der Sprache. Gerade in einem Minderheitengebiet wie Südtirol ist es wichtig, dass Identität geschützt wird“, so Tamara Oberhofer von den Freiheitlichen. Sie vertrat den Standpunkt, dass der Deutschunterricht nicht gekürzt werden dürfe, denn die Sprachkompetenz in der Muttersprache würde darunter leiden.

Für ein größeres Bewusstsein für Sprachen und für die Sprachenvielfalt setzte sich Heidrun Goller ein. Die Vertreterin des Landesbeirates der Eltern sehe die Mehrsprachigkeit als großen Reichtum. Die Sprachforscherin Andrea Abel von der EURAC berichtete über sprachwissenschaftliche Ergebnisse einer Studie, welche besage, dass die Schreibkompetenzen von Maturanten in Südtirol in etwa gleich gut seien wie jene in Nordtirol und Thüringen. „Mehrere Sprachen führen nicht zum Verlust der Muttersprache“ so die EURAC-Mitarbeiterin.

„Die deutsche Schule werde immer mehr italianisiert“, davon ist Myriam Atz-Tammerle überzeugt. Die Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit sprach von einer Entdeutschung in Südtirol und zählte verschiedene Schulprojekte und Schulversuche auf. Überzeugt ist sie vom Erlernen von Fremdsprachen, jedoch dürfe dies nicht auf Kosten der deutschen Muttersprache geschehen. Mehrsprachigkeit würde von der Schule aufgezwungen, und dies habe nichts mit der individuellen Selbstbestimmung zu tun. Denn Eltern und Schüler würden nicht frei entscheiden können.

Brigitte Foppa distanzierte sich vom Titel der Veranstaltung „Pizza im Kopf“, der in ihr keine guten Emotionen ausgelöst habe. Die Grünen-Politikerin brachte den Vorschlag ein, zusätzlich zum deutschen und italienischen Schulmodell ein drittes gemischtsprachiges Modell einzuführen. Senator Francesco Palermo hatte dies mit einem Gesetzesentwurf im römischen Parlament eingebracht.

Vom Verlust der deutschen Sprache sprach Efrem Oberlechner und nahm dabei Bezug auf die Situation in Leifers. Laut dem Medienreferenten des Südtiroler Schützenbundes seien nur noch 31% der ca. 270 Kinder im deutschen Kindergarten deutscher Muttersprache. Insgesamt würde von den ca. 590 Kindergartenkindern in Leifers nur noch 15% deutsch sprechen, obwohl der Bevölkerungsanteil der deutschen Sprachgruppe bei der Volkszählung im Jahre 2011 bei 28% lag. Würde zudem das Modell der gemischtsprachigen Schule eingeführt, so führe dies innerhalb von wenigen Generationen unweigerlich zum Verschwinden der deutschen Volkgruppe in Leifers.

Kontrovers wurde diskutiert, jedoch gab es auch gemeinsame Erkenntnisse. Die Aussage von Atz-Tammerle, wonach „je früher, desto besser Sprachen erlernt werden“ laut wissenschaftlichen Studien nicht mehr stimmen würde, fand auch die Zustimmung durch die Sprachforscherin Andrea Abel. Somit wurde der Standpunkt des Südtiroler Schützenbundes bestätigt, in welchem sich dieser vor ca. 20 Jahren vehement gegen die Vorverlegung des Italienischunterrichts in die 1. Klasse Grundschule nicht nur aus Gründen des Volksgruppenschutzes ausgesprochen hatte.

Die CLIL-Methode zum Allheilmittel für bessere Italienischkenntnisse zu küren, ist für Efrem Oberlechner ein Trugschluss. Laut Medienreferent des Südtiroler Schützenbundes müsse sich die Didaktik im Fremdsprachenunterricht Italienisch ändern. Außerdem lerne man Sprachen nicht nur in der Schule, sondern oft viel besser im Alltag, fügte Oberlechner hinzu.

Äußerst informativ waren die Stellungnahmen der zahlreichen Zuhörer. Zwei Ladiner meldeten sich zu Wort und sprachen sich gegen das gemischtsprachliche Modell aus, welches in den ladinischen Tälern angewandt wird. Sie teilten mit, dass sie dadurch selbst weder deutsch noch italienisch gut beherrschen würden.

Eine Elternvertreterin teilte verzweifelt mit, dass im deutschen Kindergarten nicht mehr deutsch gesprochen werde. Deutsche Kinder würden auf der Strecke bleiben, weil die Italiener und Zuwanderer die Mehrheit stellen und der deutschen Sprache nicht mächtig seien. Eine Mutter beklagte, dass z.T. deutsche Kinder keinen Platz mehr im deutschen Kindergarten erhalten würden, weil ein großer Teil der Plätze von Italienern und Migranten besetzt seien, denn Deutsch als Muttersprache der Kinder oder das Beherrschen der deutschen Sprache sei kein Einschreibekriterium.

Lösungsvorschläge wurden am Abend für das Kindergarten- und Schulproblem in Leifers reichlich vorgebracht. So könnten deutsche Bildungsstätten in Ballungszentren geschützt werden, indem von den Kindergartenkindern ein Verständnistest in der deutschen Sprache abgefragt werde. Zudem sollten die Migranten laut Proporzverhältnis der Sprachgruppen der jeweiligen Orte auf die deutschen und italienischen Kindergärten aufgeteilt werden. Auch sollte den Eltern nicht mehr freigestellt werden, in welchen Kindergarten sie ihre Kinder schicken dürfen. Auf jeden Fall müsste aber deutschen Kindern ein Platz im deutschen Kindergarten garantiert werden. Hier müsse rechtlich von politischer Seite etwas unternommen werden und die Sprache sollte unbedingt ein Kriterium bei der Einschreibung in Schule und Kindergarten werden.

Die Veranstaltung wurde von der Schützenkompanie Leifers in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Schützenbund veranstaltet. Moderiert wurde der Abend von Thomas Sinha. Die Organisation des Abends lag in den Händen des Adjutanten des Landeskommandanten, Jürgen Wirth-Anderlan.

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