Schützen gedenken des Freiheitskämpfers Franz Höfler

LANA – Rund 250 Schützen gedachten am Sonntag, 20. November 2016 des 55. Todestags von Franz Höfler in der Pfarrkirche von Niederlana. Dazu geladen hatte die Schützenkompanie Lana, deren Oberjäger Franz Höfler nach der Wiedergründung im Jahre 1958 war. Franz Höfler verstarb in der Nacht auf den 23. November 1961 in italienischer Untersuchungshaft aufgrund der erlittenen Folterungen. Die Familie Höfler, Schützen aus ganz Tirol und Bayern sowie zahlreiche Zivilpersonen nahmen an der Feier teil.

Nach dem Einmarsch in die Pfarrkirche von Niederlana zelebrierte Pater Basilius Schlögl OT die Heilige Messe. Der Pfarrchor Lana hielt dabei seine Cäcilienfeier ab und gestaltete die Messfeier feierlich mit.

Nach der Messfeier versammelten sich Schützen und Marketenderinnen am Grabe Franz Höflers, wo Andreas Pixner, Hauptmann der Schützenkompanie Lana die Anwesenden begrüßte. Namentlich wurden begrüßt: die Landtagsabgeordneten Myriam Atz Tammerle und Bernhard Zimmerhofer, der stellvertretende Parteiobmann der SVP, Zeno Christanell sowie der Obmann des Südtiroler Heimatbundes Roland Lang. Neben den Abordnungen der Kompanien des Schützenbezirkes Burggrafenamt/Passeier mit Bezirksmajor Andreas Leiter-Reber und des Südtiroler Schützenbundes, begrüßte er auch die Abordnungen der Partnerkompanie aus Rinn in Nordtirol und die befreundete Gebirgsschützenkompanie Aschau aus Bayern.

Pater Basilius Schlögl OT hielt anschließend am Grabe der Familie Höfler das Totengedenken für die Verstorbenen der Familie Höfler, aller verstorbenen Schützen der Kompanie Lana sowie auch im Gedenken an Schütze Christian Viertl von der SK Rinn, der am Vorabend vorbereitet, aber doch unerwartet mit nur 46 Jahren aus dem Leben geschieden ist.

Dann ergriff der stellvertretende Landeskommandant des SSB, Mjr. Heinrich Seyr, das Wort. Hier ist seine Rede am Grabe Höflers vollinhaltlich wiedergegeben:

 

Geschätzte Familie Höfler, liebe Marketenderinnen und Schützenkameraden, liebe Landsleute!

Wohl niemand und ganz am wenigsten Franz Höfler selbst sowie seine Familie, ahnten am 26. September 1933, als Franz am elterlichen „Pallguta“ in Niederlana geboren wurde, das gerade mal 28 Jahre später am 22. November 1961, also fast auf den Tag genau vor 55 Jahren, sein Leben auf schicksalshafte Art und Weise enden würde!

Ein Leben das sicherlich durch harte und entbehrungsreiche Zeit geprägt war. Vor allem durch den damals dominanten und vorherrschenden Faschismus und Nationalsozialismus, die Option, dem Verbot der deutschen Muttersprache, dem Verbot von Allem was mit unseren Tiroler Bräuchen zu tun hatte,  dem Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegsjahre – um nur einiges zu nennen. Wo nicht nur er, sondern viele Südtiroler der Meinung waren „es muss was geschehen“!

Auch wenn viele Südtiroler dieser Meinung waren „es muss was geschehen“ waren es letztendlich nur wenige – und zu diesen Wenigen gehörte auch Franz Höfler – die diesen Worten auch Taten folgen ließen. Taten dessen Ausgang uns allen hier bekannt sind. Dessen Höhepunkt die sogenannte Feuernacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 war, bei der Franz Höfler aktiv dabei war.

Über die Beweggründe die Franz Höfler (1961), Anton Gostner (1962), Sepp Kerschbaumer (1964) und Luis Amplatz (1964) – die ich hier stellvertretend nenne – und deren Schicksal vom selben Ende gezeichnet waren, waren bei weitem nicht alle Südtiroler davon überzeugt! Und doch war es sonnenklar und mehr als nachvollziehbar, die Heimat die Familie war in Gefahr! Und auch die, seit Jahrzehnten angestrebte Selbstbestimmung blieb Südtirol verwehrt!

„Somit musste was geschehen“ um auf die Missstände, die Unterdrückung in unserem Land sowie die Ungleichbehandlung gegenüber den italienischen Zuwanderern hinzuweisen! Allerdings mit dem bitterem Beigeschmack, dass diese Akteure von damals, wegen ihrer Liebe zur Heimat, ihrem starken Drang nach Selbstbestimmung, ihrer Überzeugung das Richtige zu tun, aktiv wurden und vom italienischen Staat von da an als Terroristen bezeichnet wurden und bis in die heutige Zeit herauf bezeichnet werden.

Denn jegliche bis dahin erfolgte Aktion kleineren Ausmaßes, wie das Hissen der Tiroler Fahne, oder einzelne Sprengstoffanschläge, sowie die Kundgebung von 1957 auf Schloss Sigmundskron, brachten nicht den gewünschten Erfolg und nicht die notwendige internationale Aufmerksamkeit.

Und da hat der österreichische Buchautor und „Krone“ Journalist Ernst Trost aus Wien die Sache auf den Punkt gebracht: „Erst als die Masten flogen, gab es für Italien eine Süd-Tirol-Frage!“ Denn bis dahin vermochte es der italienische Staat, das Südtirol Thema immer klein zu halten und als inneritalienische Angelegenheit ab zu tun.

Doch nach dem Herz-Jesu-Sonntag im Juni 1961, war nichts mehr gleich wie vorher, der italienische Staat demonstrierte einmal mehr, seine volle Macht und Stärke. Durch unzählige Carabinieri und Militär-Präsenz versuchte Italien der entgleisten Situation Herr zu werden, was Italien auch teilweise gelang. Die Verhaftungswelle danach, wo Dutzende unserer Landsleute inhaftiert, gefoltert und bestialisch gequält wurden, (schon viele Male wurde an dieser Stelle über die grausame und brutale  Vorgangsweise erzählt und berichtet), – schien Italien den Sieg zu bescheren. Doch das was die Feuernacht und die darauf folgenden Folterungen an internationaler Aufmerksamkeit geweckt hatte, vermochte Italien nicht mehr zuzudecken.

Durch die weit über die Landesgrenzen hinausreichende Berichterstattung in allen großen Medien im Inn- und Ausland wurde das Südtirol-Thema auf eine ganz andere Ebene gehievt als es bisher war. Italien konnte nicht mehr so tun als ob in Südtirol alles in Ordnung wäre!

Wohl niemand unter uns zweifelt daran, dass Franz Höfler und seine Mitstreiter mit ihrer Heimatliebe, durch ihren beherzten und selbstlosen Einsatz sowie ihre große Opferbereitschaft, die Wende in der Südtirol Frage eingeläutet haben!

Dass Franz Höfler dabei sein Leben verlor schmerzt auch heute noch. Schmerzt vor allem auch deswegen da das offizielle Italien, heute noch an den Unwahrheiten zu den damaligen Ereignissen festhält. Ob das die Falschangabe zur Todesursache ist, oder die nach wie vor geleugneten Folterungen der 60iger Jahre und gleichzeitig bleibt Italien bis heute noch jegliche Entschuldigung schuldig. Dies ist eines demokratischen Staates im 21. Jahrhundert nicht würdig!

Der Einsatz Franz Höflers und seiner Mitstreiter zeigt uns einmal mehr, welche Werte damals hoch im Kurs standen und auch heute noch stehen sollten, Werte wie Heimatliebe, kulturelle Identität, traditionelles Bewusstsein, Opferbereitschaft, Nächstenliebe oder Zusammenhalt. Werte die allerdings in unserer reizüberfluteten, Ich-bezogenen und konsumorientierten Gesellschaft nicht mehr modern sind oder als altmodisch bezeichnet werden oder sogar als unangenehm betrachtet werden.

Sie haben uns eines aufgezeigt und vorgelebt, wir dürfen mit erhobenem Haupt Tiroler sein, uns soll es mit Stolz erfüllen ein Teil von über 800 jähriger Tradition und Geschichte zu sein.

Dass die Schützenkompanie Lana den Namen „Franz Höfler“ trägt, oder seit 1984 eine Straße nach Franz Höfler in Lana benannt wurde, zeigen einmal mehr dass man ihn nicht vergessen hat, den ersten Oberjäger der Kompanie und damit ein ehrendes Gedenken geschaffen hat.

Dass gewisse Parallelen mit der heutigen Gegenwart gezogen werden können, beruht nach wie vor auf der Tatsache, dass wir immer noch einem Staat einverleibt sind, der nicht der unsere ist.

Dass es nicht immer selbstverständlich ist unsere deutsche und ladinische Muttersprache, wann immer wir wollen gebrauchen zu dürfen. Dass nach wie vor unsere historisch gewachsenen deutschen und ladinischen Orts- und Flurnahmen NUR geduldet sind!

Dass uns gerade in diesen Wochen, der wiederholte Versuch der Zentralisierungsmaßnahmen dieses Staates, durch die Abänderung der Verfassungsreform ins Haus steht.

Wobei gerade erst am Freitag der Präsident der EU-Kommission Jean-Claude Juncker, in seinem Vortrag bei der Tagung „70 Jahre Pariser Vertrag“ in Bozen, der Nationalstaatlichkeit eine klare Absage erteilte. Und für die Einheit und den Zusammenhalt Europas warb und sich ganz klar für ein Europa der Regionen aussprach!

Gleichzeitig meinte Landeshauptmann Kompatscher, „Nationalstaaten brauche man jetzt nicht, sondern ein starkes Europa“. Was in meinen Augen im kompletten Wiederspruch zur Abstimmungs-Empfehlung der Verfassungsreform steht.

Also heißt es nach wie vor „es muss was geschehen!“ Verniedlichen wir nicht das vorhin aufgezählte, es besitzt sehr viel Ähnlichkeit mit dem der 60iger Jahre. Somit liegt es dieses Mal an uns, Akzente zu setzen mit den uns heute zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln.

Und so bleibt uns das Vermächtnis von Franz Höfler und seiner Gefährten! Was wir damit machen, darf nicht achtlos vergeudet werden. Sehen wir es als Ehre, das Angefangene zu Ende zu bringen.
Ich schließe mit den Worten des Philosoph Immanuel Kant der sagte: „Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.“

Es lebe unser Land Tirol!

Hptm. Andreas Pixner bedankte sich bei Mjr. Heinrich Seyr für die Gedenkrede. Ebenso fügte er hinzu, dass eine Gedenkfeier nicht zu einer Gewohnheit verkommen soll. Nein, das Gegenteil ist der Fall, es soll jeden Anwesenden dazu motivieren mit positiven Gedanken und Taten an unserer Gemeinschaft in der Familie, Dorf und im Land mitzuarbeiten.

Bläser des Musikvereins Lana umrahmten die Gedenkfeier in würdiger Weise und nach dem Abfeuern einer Ehrensalve durch die Schützenkompanie Lana und der Weise „Vom guten Kameraden“ klang die Gedenkfeier mit einer Kranzniederlegung und der Tiroler Landeshymne aus.

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