Breites Nein zum Flughafen Bozen

BOZEN – Belastend, zu teuer, unnütz und anachronistisch: Angeführt von Dachverband für Natur- und Umweltschutz, Alpenverein, Heimatpflegeverband, Vereinigung „Ambiente e Salute“, Südtiroler Schützenbund und lokalen Umwelt- und Sozialorganisationen machen die Gegner des Flughafens Bozen mobil. Sie haben heute (4. März 2016) nicht nur das Komitee „no-airport.bz“ vorgestellt, sondern auch eine ganze Reihe von Argumenten für das „Nein“ bei der Flughafen-Volksabstimmung am 12. Juni.

Die Palette der Argumente gegen eine Wiederaufnahme des Linienflugbetriebs auf dem Bozner Flughafen ist breit. So haben die Flughafengegner heute am Sitz des Alpenvereins in Bozen Süd umwelt- und demokratiepolitische, aber auch finanzielle und wirtschaftliche sowie technische Gründe angeführt. In erster Linie geht es allerdings um die enorme zusätzliche Belastung von Menschen und Umwelt, die vom Flugbetrieb ausgeht – „und das in einem ohnehin bereits stark belasteten Gebiet“, hieß es heute bei der Pressekonferenz.

Vor allem der Lärm sowie die CO2- und Stickoxid-Belastung von mindestens einem startenden oder landenden Flugzeug alle zehn Minuten bereiten den Flughafen-Gegnern Sorge.

Es ist erwiesen, dass Menschen in Flughafennähe signifikant stärker unter Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen leiden sowie einem höheren Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ausgesetzt sind“, so Klauspeter Dissinger, Präsident des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz. Allein der CO2-Ausstoß pro Passagier und Kilometer sei im Flugzeug etwa drei Mal höher als bei einem Pkw, zehn Mal höher als beim Zug und sogar 20 Mal höher als bei Bussen. Dissinger sprach sich deshalb heute für eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik aus, die auf den Zug setzen müsse.

Georg Simeoni, Vorsitzender des Alpenvereins und damit des mitgliederstärksten Vereins im Lande, führte auch die finanzielle Belastung als Argument gegen den Flughafen ins Feld. So habe der Flughafen die Südtiroler Steuer- und Beitragszahler bereits 120 Millionen Euro gekostet, bis 2035 erhöhe sich die Summe auf 204 Millionen Euro.

Auch für Argante Brancalion von „Ambiente & Salute“ ist der Flughafen zu teuer: Mit dem, was man in den Flughafen investiere, könne man über 500 Pfleger oder 200 Ärzte zehn Jahre lang beschäftigen, die Vinschger Bahn elektrifizieren oder die Überetscher Bahn errichten. Sein Fazit: „Der Flughafen ist unnütz, zu teuer, schädlich und gefährlich.“

Auch das Glaubwürdigkeitsproblem der Politik war heute Thema. Der Ausbau erfolge weiter nach Salamitaktik, die Zahlen, auf denen das aktuelle Flughafenkonzept basiere, seien hypothetisch. „Das Umweltscreening der Flughafengesellschaft listet auf 70 Seiten Schätzungen, Meinungen und Hypothesen, aber keine klaren Vorgaben auf“, so Christoph von Elzenbaum von der Arbeitsgemeinschaft Lebenswertes Unterland. Er nahm wie Anrainervertreter Sepp Bacher vor allem auf die zusätzliche Belastung und das davon ausgehende Gesundheitsrisiko Bezug: Bis 2020 müsse in der Einflugschneise zusätzlich mit der Schadstoffbelastung aus der Verbrennung von 1,36 Millionen Kilogramm Kerosin gerechnet werden. „Das entspricht 220.000 zusätzlichen Lkws auf der Autobahn von Bozen bis Salurn“, so von Elzenbaum.

Peter Ortner, Präsident der Heimatpfleger, wies zudem auf den Schaden hin, den der Tourismus in Südtirol nehme. „Wir verkaufen unser Land als Sehnsuchtsort, in dem Ruhe, Entspannung, Erholung und Sport garantiert sind“, so Ortner, der überzeugt ist: „Der Flughafen würde dem Gebiet touristisch den Todesstoß verpassen.“

Den Heimatschutz sehen schließlich die Schützen in Gefahr. Heinrich Seyr, Landeskommandant-Stellvertreter, führte zudem an: „Nur die Politik ist imstande, ein Projekt mit Steuergeldern zu finanzieren, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist“, so Seyr. Der Schützenbund spreche sich dagegen wie alle anderen heute vertretenen Organisationen für ein Nein am 12. Juni aus.

Und Georg Simeoni ersuchte heute alle Wählerinnen und Wähler, sich eine Frage zu stellen: „Brauchst Du diesen Flughafen?“

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