Bozner Faschistendenkmal erstrahlt in neuem Glanz

BOZEN – Mit finanzieller Hilfe der Südtiroler Landesregierung wurde nun das Faschistendenkmal mit einem beschönigenden Museum wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und der Zaun geöffnet. War es lange Zeit gesperrt und dem Verfall preisgegeben, wurde es vor einigen Jahren mit mehreren Millionen Euro renoviert und nun mit einem Museum versehen, das weniger der Aufklärung dient, als viel mehr der Verherrlichung des Faschistentempels. Von Dokumentationszentrum kann hier keine Rede sein, sind die Räumlichkeiten im Keller viel mehr eine Erklärung des Denkmals an sich, als eine Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit. Für jeden Faschisten und deutschsprechenden Italiener war die gestrige Eröffnung ein Freudentag, jedoch für jeden heimatbewussten Südtiroler eine reine Zumutung.

Wie kann es sonst sein, dass sogar von den Faschisten des 3. Jahrtausends – der Bewegung „Casa Pound“  fast nur Lob kommt. In einer Aussendung meint deren Bozner Sprecher Mirko Gasperi: „Objektiv und gut gestaltet ist die Ausstellung im Inneren“. Er schwärmt darin auch von den renovierten Adlern der Drususbrücke. Einzig mit der Leuchtschrift auf einer der Liktorensäulen im Äußeren könne er sich nicht anfreunden und hat bereits eine Eingabe angekündigt. Auch Maria Teresa Tomada von Alleanza Nazionale gefällt laut jüngster Nachricht der Tageszeitung „Alto Adige“ das sogenannte Dokumentationszentrum gut.

Es macht dies wieder deutlich, wer so alles an diesem Faschistentempel hängt. Bei den zitierten Personen mag das nicht verwunderlich sein, aber nunmehr haben sie den allerhöchsten Segen von der Bozner Stadtverwaltung und der Südtiroler Landesregierung bekommen, die diesen Kräften freundlicherweise auch noch ein Museum – mitfinanziert mit unseren Steuergeldern – eingerichtet hat. Die nächste Siegesfeier am 4. November durch Neofaschisten wird also zu erwarten sein.

Als Vorbild für Umgang mit dem Siegesdenkmal hätte hingegen das „Anschlussdenkmal“ in Oberschützen im Burgenland dienen können. Dort wurden alle nationalsozialistischen Symbole entfernt und das Denkmal dem Verfall preisgegeben. So sieht der richtige Umgang mit solch menschenverachtenden Denkmälern aus, wenn es schon nicht abgetragen wird. Dass in Zukunft auch deutsche und ladinische Schulklassen in ein solches dem Faschismus verherrlichenden Denkmal geführt werden, befremdet den Südtiroler Schützenbund.

Untenstehend weitere Kritikpunkte, welche das SSB-Online Team nach einem Lokalaugenschein zusammengetragen hat und so die Arbeit der italienischen Historikerkommission kritisiert.

Normalerweise ist es erfreulich, wenn ein Dokumentationszentrum, gerade eines über die leidvolle Zeit des Faschismus, eröffnet wird.

Aber das Dokumentationszentrum unter dem faschistischen „Siegesdenkmal“ wird seiner erklärten Absicht, das Denkmal zu entschärfen, somit dem Frieden unter den Sprachgruppen zu gewährleisten, sowie über das Zeitalter des Faschismus und Nationalsozialismus in Südtirol zu informieren, nicht gerecht.

Schon mitten auf dem Weg ins Zentrum steht  eine Gedenksäule an die „Atesini“, die in Spanien, Ostafrika und Libyen gefallen sind. Wo bleiben die berühmten erklärenden Täfelchen, dass dies alles (sinnlose) Militäraktionen des faschistischen Regimes waren? Sind die Täfelchen wieder so weit vom Denkmal entfernt, dass sie schon außerhalb des Gemeindegebiets liegen? Oder sind sie vielleicht diesmal so klein, dass man sie nicht ohne Lupe findet?

Aber wenn die vielgelobte Historikergruppe schon solch eine Gedenksäule „übersieht“, darf man sich fragen, warum sie darauf beharrt, das Kellergewölbe des Faschistendenkmals als „Krypta“ zu bezeichnen. Welcher Heilige liegt dort begraben? Oder wurden etwa Reliquien hingebracht?

Ebenso ist die Internetadresse des Dokumentationszentrums so schlecht ausgesucht, dass man schon nicht mehr von fehlendem Wissen oder Feingefühl sprechen kann, weil es schon an Dummheit grenzt: „siegesdenkmal.com“ und „monumentoallavittoria.com“ sind so denkbar schlecht gewählte Bezeichnungen, dass man sich fragt, was denjenigen, die sich das einfallen ließen wohl durch den Kopf ging. Wer auch immer es gewesen sein mag, hier hätte die Historikergruppe auf jeden Fall etwas dagegen sagen müssen. Die sogenannte „Entschärfung des Siegesdenkmals“ hätte bei seinem Namen anfangen müssen und können.

Das Kellermuseum selbst ist enttäuschend: Es erklärt ausführlich wer, wie, weshalb den Bau wollte und wer was gebaut/angefertigt/entworfen hat. Dass vor Ort jemand dagegen bzw. dafür war, wird mit dem pauschalen Nebensätzchen „Beifall und Zurückhaltung, Kritik und stillem Protest“ kurz erwähnt. An einem anderen Schildchen wird kurz die Unterschriftenkampagne des mutigen Rechtsanwalts Kinsele gegen das totalitäre Denkmal erwähnt.

Es wäre hier Aufgabe der Historiker-Truppe gewesen, dieses Thema ausführlicher herauszuarbeiten: Wer war dagegen? Warum? Gerade für Schulklassen, aber auch für Touristen, ist dies wichtiger und interessanter als hingegen die Namen aller einzelnen Bildhauer zu erfahren. An den Wänden hängen einige Artikel, zum Beispiel der „Tiroler Anzeiger“ ohne jegliche Übersetzung. Wie soll jemand, der kein Deutsch kann, verstehen, was die Presse in Nordtirol über das Denkmal berichtet hat? Die Südtiroler, aber auch die Italiener waren zu diesem Zeitpunkt schon durch das Regime geknebelt.

Dafür, dass im Museum die Ortsnamenfälschungen erwähnt werden, beweisen die Historiker wieder einmal erstaunlich mangelnde Sensibilität bei der Ortsnamennutzung in den englischen Texten: es werden rücksichtslos ausschließlich die italienischen verwendet. Bei „Bolzano“ ist dies noch akzeptabel, (auch wenn man beide Namen hätte nutzen können. Selbst die Bozner Uni tut dies). Bei Namen wie „Roncolo“, „Mareccio“ und „Talvera“ greift das Dokumentationszentrum komplett daneben und nutzt nicht nur tolomeische Erfindungen, sondern auch noch genau jene Namen, die auf Englisch in modernen wissenschaftlichen Texten unüblich sind. Richtig wären: „Runkelstein Castle“, „Maretsch Castle“ und „Talfer River“. An manchen Stellen wird sogar statt dem üblichen „South Tyrol“ der Begriff „Alto Adige“ verwendet. Während es manchmal einen Sinn ergeben kann, dies zu tun, wenn man den Sprachstil der faschistischen Machthaber nachahmen möchte, wurde dies im Kellermuseum mehrmals falsch gemacht. Grundlegend gilt: wenn man in deutschen Texten in Zitaten „Alto Adige“ oder „Hochetsch“ schreiben würde, darf man dies auch im Englischen machen. Ansonsten muss prinzipiell „South Tyrol“ geschrieben werden.

Die Beschädigung des Denkmals durch deutsche Truppen im 2. Weltkrieg wird ausführlich beschrieben. Ebenso wird auch der Fall des zwielichtigen Giuseppe Tovazzi detailliert beschrieben, der 1928 der Innsbrucker Polizei erklärte, er wolle das Denkmal sprengen. Gab es sonst (versuchte) Attentate auf das Denkmal? Eventuell auch durch Personen, die nicht wegen Eigentumsdelikten vorbestraft waren oder Wehrmachtssoldaten waren? Ein Besucher des Dokumentationszentrums erfährt beispielsweise nicht, dass das Denkmal früher Tag und Nacht überwacht wurde. Auch hier hätten interessante Aspekte herausgearbeitet werden können und müssen.

Im hinteren Bereich läuft ein Film über die letzten Jahre des Denkmals. Dieser wirft kommentarlos einige Szenen zusammen: Zünder und Gasflaschen, die von der Polizei aus dem Keller entfernt werden. Warum waren sie da? Schützen, die gegen das Denkmal protestieren. Warum machen die das? 2008 wird das Denkmal wieder vom Militär für eine Kranzniederlegung missbraucht? Warum war das so?

Die Ausstellung erläutert den wichtigsten Aspekt des Denkmals heute nicht: den Missbrauch nach 1945. Es werden nicht die Großkundgebungen durch das Militär bis 1996, die Kranzniederlegungen im Jahr 2008, die Veranstaltungen von neofaschistischen Politikern und die Fußballfans mit Mussolinifahnen analysiert und erklärt.

Das Dokumentationszentrum ist insgesamt ein Fiasko auf voller Linie: Das Denkmal wird fast schon zelebriert, nicht aber im Mindesten entschärft.

Das Dokumentationszentrum bleibt eine Kellerausstellung, das „Siegesdenkmal“ ein beleidigendes Faschistendenkmal!

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