Lukas Varesco – 2. Bericht aus Schottland

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William Wallace und seine Erben

EDINBURGH – Wer war William Wallace, der Andreas Hofer Schottlands und unangefochtene Nationalheld? Und was bleibt von ihm? Um diese Fragen beantworten zu können, machte ich mich auf den Weg nach Stirling, der alten Hauptstadt Schottlands.

Stirling, 13. Oktober 2013

Stirling ist auf Grund seiner Lage strategisch sehr bedeutsam. Die Stadt liegt am Fluss Forth und verbindet die sogenannten „Lowlands“ mit den „Highlands“.

Das Stadtbild wird geprägt von der imposanten Burg Stirling Castle, eine der ehemaligen Hauptresidenzen schottischer Könige. Das Schloss thront mächtig oberhalb der Stadt und war viele Male Schauplatz wichtiger Kämpfe. In unmittelbarer Nähe zu Stirling Castle fanden zwei, die schottische Geschichte prägende, Schlachten statt. Sie sind im Bewusstsein eines jeden Schotten tief verankert. Die Rede ist hier von der Schlacht um Stirling Bridge im Jahre 1297 und der Schlacht von Bannockburn im Jahre 1314.

Der Kampf um Schottlands Unabhängigkeit

Im Jahr 1286 verunglückte Schottlands König Alexander III. durch einen Sturz vom Pferd. Das Land drohte daraufhin, ins Chaos zu stürzen. Es kam zu Auseinandersetzungen um die Thronfolge. Um Schlimmeres zu vermeiden, legte man das Land in die Hände des Königs von England, Edward I. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Edward I. oder „Edward Longshanks“ oder später auch „der Hammer der Schotten“ war den Schotten nicht wohl gesinnt und versuchte, das Land an sich zu reißen. John Balliol wurde in der Zwischenzeit als König eingesetzt. Dieser verweigerte jedoch später Edward I. Schottlands Gefolgschaft im Konflikt Englands mit Frankreich, woraufhin sich letzterer veranlasst sah, Schottland mit militärischer Gewalt endgültig unter seine Herrschaft zu bringen.

Schottland beginnt sich jedoch, zur Wehr zu setzen. William Wallace wird zum Inbegriff für Freiheit und Widerstand gegen Englands Herrschaft. 1297 konnten Wallace und seine Mannen im Kampf um Stirling Bridge einen spektakulären Sieg über England erringen. Das weit überlegene englische Heer wurde in die Flucht geschlagen und Wallace, der für seine Zeit als außerordentlich groß beschrieben wird, zum „Guardian of Scotland“ ernannt. Doch Schottland hielt in der Folge nicht zusammen und dem Held von Stirling Bridge fehlte es an Rückhalt. Der englische Machthaber schlug zurück und konnte die Schotten nur kurze Zeit später in der Schlacht von Falkirk besiegen. Wallace wurde Jahre darauf von eigenen Leuten verraten. Er wurde gefangen genommen und auf einem Pferd angebunden nach London gebracht. Was folgte, war eine unvorstellbare und grausame Hinrichtung im Beisein der Öffentlichkeit.

Wer nun denkt, das war’s, der hat weit gefehlt. Schottlands Drang nach Unabhängigkeit war nicht erloschen und das Land fand in Robert the Bruce einen würdigen Nachfolger von Wallace. Mit kleinen „Nadelstichen“ fügten Bruce und seine Gefolgsleute den Engländern immer wieder Wunden zu. Die Freiheitskämpfer eroberten Burg für Burg zurück und am Ende blieb nur noch Stirling Castle, als letzte englische Bastion, übrig. 1314 kam es im nahe gelegenen Bannockburn zum großen Gefecht. Den zahlenmäßig deutlich unterlegenen Schotten gelang es, das englische Heer zu besiegen und sie fügten diesem eine vernichtende Niederlage zu. Einige Jahre nachher wurde Schottlands Unabhängigkeit durch England anerkannt.

Was bleibt?

Die Schotten sind stolz auf ihre Nationalhelden Wallace und Bruce, beide haben bis heute für viele Schotten Vorbildcharakter. So bedenke man beispielsweise, dass das Denkmal zu Ehren Wallace erst hunderte Jahre nach der Schlacht um Stirling Bridge erbaut worden ist. Das Denkmal liegt am Abbey Craig bei Stirling. Dort oben am Hügel soll Wallace die Engländer beobachtet haben. Das Denkmal ist von weit her sichtbar. Auch an Robert I. und die Schlacht von Bannockburn wird gebührend erinnert. Ein Denkmal weist auf die sich feindlich gegenüberstehenden Truppen hin. Nur unweit davon befindet sich ein Reiterdenkmal zu Ehren von König Bruce I. Zusätzlich wird 2014 ein neues Besucherzentrum eröffnet.

William Wallace und Robert the Bruce haben tiefe Spuren hinterlassen und sind auch nach hunderten von Jahren weiterhin für viele Schotten Helden, denen Ehre und Bewunderung gezollt wird. In Stirling wird Nationalpatriotismus gelebt und das imposante Wallace-Denkmal sowie die wehende schottische Flagge am Bannockburn Monument lassen keinen unberührt. Beim Versuch, das Erfahrene zu verarbeiten und mir die Zeit vorzustellen, überkam mich eine Gänsehaut, und das nicht aufgrund des kühlen schottischen Windes.

Wallace hat für die Freiheit und Unabhängigkeit Schottlands sein Leben gegeben. Heute ist – Gott-sei-Dank – die Realität eine andere. Bewaffneter Kampf und geballte oder tyrannische Unterdrückung sind in Schottland kein Thema. Zudem gibt es demokratische Mittel und Wege, um Hoffnungen und Ideale auszudrücken sowie Visionen zu verwirklichen. Wer hätte gedacht, dass Schottland 2014 frei und aus eigenen Stücken entscheiden kann, wie es seine Zukunft gestalten möchte. Wenn Schottland also nächstes Jahr über seine Unabhängigkeit entscheidet, so werden viele Schotten auch an Stirling Bridge, Bannockburn, Wallace und Bruce denken. Das Jahr der Wahl fällt zudem wunderbar mit dem 700 Jahr Jubiläum von Bannockburn zusammen.

„(…) solange noch 100 von uns am Leben bleiben, wird man uns niemals unter englische Herrschaft zwingen. Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, Reichtum oder Ehre, sondern wir kämpfen allein für die Freiheit und kein ehrenhafter Mann gibt diese auf, solange er lebt.“

„Declaration of Arbroath“ (Erklärung zu Schottlands Unabhängigkeit) von  1320

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