Wipptaler Bezirksfest in Maria Trens

TRENS – Am vergangenen Wochenende fand im Wallfahrtsort Maria Trens das Bezirksschützenfest des Bezirkes Südliches Wipptal statt. Ein Höhepunkt war bereits am Samstagabend die Aufführung des Tiroler Zapfenstreichs.

Am Sonntag fanden sich rund 500 Schützen aus dem historischen Tirol mit 70 Fahnen zum offiziellen Festakt ein. In der Feldmesse meinte Pfarrer Michael Bachmann, die Gläubigen müssten mehr provozieren, um zu zeigen, was sie bewege. Und wenn jemand eine Frage habe, so müsse jeder antworten können. Mitgestaltet wurde die Feier durch die Musikkapellen Trens, Ellbögen und Mauls. Die Ehrensalve wurde von der Kompanie Ellbögen abgefeuert.

Bezirksmajor Rudolf Lanz begrüßte die Vertreter der Gemeinde Freienfeld mit Bürgermeister Albin Holzer, die Bundesleitung des Südtiroler Schützenbundes mit Landeskommandant Elmar Thaler sowie die Landtagsabgeordneten Pius Leitner, Ulli Mair, Sigmar Stocker, Roland Tinkhauser und Sven Knoll. Besonders erfreulich ist, dass so gut wie alle Bürgermeister des nördlichen und des südlichen Wipptales am Bezirksschützenfest teilgenommen haben. Der Bund der Tiroler Schützenkompanien war durch Ehrenlandeskommandant Otto Sarnthein, Bundeskassier Paul Hauser und mit einer starken Abordnung des Bataillons Wipptal-Eisenstecken vertreten.

In dem Moment, wo die Schützen Tirols nicht mehr an die Landeseinheit glauben, sind sie überflüssig geworden.”

Dann ergriff Festredner LKdt. Elmar Thaler das Wort. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung sei oft auf die gemeinsamen Ressourcen und Möglichkeiten der Tiroler Landesteile vergessen worden, so der Landeskommandant. Ein gemeinsames Vorgehen sei heute aber wichtiger denn je, gerade im Tourismus, in der Lehrlings- und Lehrerausbildung, in der Ausbildung in sozialen Berufen, aber auch im universitären Bereich. Bedenklich sei allerdings, dass die Politik ein gewisses Maß an Orientierungslosigkeit und wohl auch an Maßlosigkeit erreicht habe. Abschließend bat Thaler die Anwesenden, Tirol wieder näher zusammenzubringen, und kam auf die Worte des Altlandeshauptmannes Eduard Wallnöfer zurück, der einst sagte: “In dem Moment, wo die Schützen Tirols nicht mehr an die Landeseinheit glauben, sind sie überflüssig geworden.”

Als Abschluss der Feier erfolgte die Intonierung der Landeshymne. Anschließend marschierten die Teilnehmer zum Festzelt, wo sie den Tag gemütlich ausklingen ließen.

 

 

Festrede von Landeskommandant Elmar Thaler

Tiroler Landsleute!

Genau so stell ich mir Tirol vor: ein buntes Bild an Männern und Frauen, die wissen, für was sie einstehen, Männer und Frauen, die noch Ideen haben, wie sie ihre Zukunft gestaltet haben möchten. Und die vor allem erkannt haben, dass Gebirgspässe nicht trennen, sondern das Leben in den Bergen uns seit jeher eint.

Es ist ein fantastisches Bild, wenn ich hier die Wipptaler Kompanien von Innsbruck bis Franzensfeste und ihre Nachbarskompanien aus den Tälern stehen sehe. Als geschäftsführender Landeskommandant im Verband Tiroler Schützen freut es mich natürlich ganz besonders, wenn Mann für Mann und Frau für Frau hier zusammenstehen und die nationalstaatliche Trennung Lügen strafen.

Und im Grunde ist das alte Tirol ja das gleiche geblieben. Im guten wie im weniger guten. Wir haben nördlich und südlich des Brenners oft die selbe Lebenseinstellung, ähnliche Lebensziele, und gesellschaftliche Strukturen. Das alles hat 90 Jahre der Trennung überdauert, nicht nur das, auch manche negative Entwicklung ist nördlich und südlich des Brenners fast die selbe. Da brauchen wir uns nur die Politik anschauen, die – und ich darf das als Landeskommandant schon sagen – in den letzten Wochen und Monaten ein gewisses Maß an Orientierungslosigkeit und wohl auch an Maßlosigkeit erreicht hat. Und jetzt immer öfter schmerzlich erkennen muss, dass das Volk nicht einfach braves Stimmvieh ist, sondern dass man eigentlich als Politiker dazu da sein sollte, die Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen, und nicht umgekehrt.

Der griechische Dichter Meander hat einmal sinngemäß gesagt, dass man im Glück ganz einfach vergesslich wird. Wie wahr diese Worte sind, das brauchen wir uns nur in unserer Gesellschaft anzuschauen. Allen Tiroler Landesteilen ging es spätestens seit den 1960er Jahren laufend ökonomisch und sozial besser. Zugleich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung geriet aber auch das ehemals Gemeinsame, das Tirol seit Jahrhunderten, besonders in schweren Zeiten der Not, immer vor dem Ärgsten bewahrt hat, zunehmend in Vergessenheit.

Nur zaghaft hat man in den letzten Jahren begonnen, sich wenigstens wieder des andern zu besinnen. Zum Teil sicher auch auf Anregung heimatverbundener Menschen, die es ja in allen Lagern gibt, aber nicht zuletzt auch aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus.

Wir wissen, wie sensibel die europäischen Finanzmärkte geworden sind und wie schnell eine Krise in einer Katastrophe enden kann.

Wie akut eine solches Szenario auch für uns ist, hat mir letzte Woche eine Anzeige in einem Südtiroler Medium gezeigt, in der eine renommierte Bank, die von München über Salzburg, Innsbruck und Bozen tätig ist, in einer Anzeige für eine Veranstaltung wirbt, in der bereits jetzt von Fachleuten über das Für und Wider eines Ausstiegs Italiens aus dem Euroraum und vor über allem dessen Folgen diskutiert wird.

Die Schützen waren immer – und ich sage ausdrücklich: immer in der Geschichte – um das Wohl des Landes besorgt. Früher mit der Waffe, und heute mit dem Geist. Geht es uns ökonomisch schlecht, dann werden wir uns weder kulturell entwickeln, noch sonst große Sprünge machen können.

Deshalb mahnen wir an, gut mit dem, was wir haben, hauszuhalten. Besinnen wir uns auf die Ressourcen, welche ganz Tirol in seiner Vielfalt hat, und schöpfen wir aus ihnen!

Viel zu oft sind wir uns innertirolisch ganz einfach Konkurrenten. Denken wir nur an den Tourismus. Wie viel könnten wir indessen alle von der Positionierung als einheitliches Tiroler Ferienland profitieren, in dem auf einer Distanz von wenigen 100 km vom Skilaufen bis zum Badeurlaub eigentlich ganzjährig fast alles möglich ist. In dem vom bedachten, aber herzlichen Alemannen und Bajuwaren und bis hin zum gutmütigen und trotzdem feurigen Südländer alle Facetten der Tiroler Gastfreundschaft und – auch das ist ein Reichtum – gleich 3 Sprachwelten präsentiert werden können.

Oder in der Ausbildung, wo wir uns wirklich in allen Landesteilen ergänzen könnten. Nicht alle Ausbildungsstätten für Lehrlinge, in den Sozialberufen, in der Landwirtschaft, in der Lehrerausbildung und an den Universitäten brauchen wir doppelt und dreifach, im Gegenteil. Gerade wenn wir bei der Ausbildung der Jugend zusammenlegen, dann setzen wir Meilensteine. Dann schaffen wir Normalität, wo heute in den Köpfen noch Trennung vorhanden ist. Hier könnten wir zusätzliche Anreize schaffen, die Lehrlinge und Studenten untereinander auszutauschen, damit die Verantwortungsträger von morgen schon heute wissen, dass es sich lohnt, das Gute am jeweils anderen Landesteil in die eigene Zukunft fest einzuplanen.

Wir müssen unsere Gemeinsamkeiten ganz einfach bei den Menschen ankommen lassen. Wir müssen sie Tirol in der ganzen Größe und im positivsten Sinne des Wortes ganz selbstverständlich spüren lassen.

Oder andersherum: Was spricht dagegen, ein Südtiroler Abo 70+ einfach auf ganz Tirol auszudehnen? Und den Südtirol-Pass zum Tirol-Pass umzufunktionieren? Und das Tarifsystem aller öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Tirol aufeinander abzustimmen – ebenso wie die Fahrpläne?

Und warum, frage ich mich, gibt es in Tirol immer noch kein einheitliches Mobilfunknetz? Warum muss ein Innsbrucker in Bozen und ein Bozner in Innsbruck teure Roaminggebühren bezahlen? Warum muss es auf der einen Seite eine Brennermaut und eine österreichische Autobahngebühr geben und auf der anderen Seite eine zusätzliche Autobahngebühr, sobald man sich auf italienischem Staatsgebiet auf der Autobahn befindet?

Wenn Europa schon vereint ist, dann muss man auch hier nach einer glaubwürdigen gemeinsamen Lösung suchen, sonst wird die Bevölkerung bald nicht mehr an die Europaregion glauben. Wir möchten endlich Lösungsansätze sehen. Sonst wird Europa nie eingehen in die Herzen der Menschen, sonst wird es schon bald nur mehr als Haftungsunion, nicht aber als wirkliche Einheit dastehen.

Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation. Gerade deshalb erlauben wir uns als Schützen, immer wieder auch Stellung zu beziehen zu Themen, die gerade uns Schützen unter den Nägeln brennen. Weil uns das Vermächtnis von Altlandeshauptmann Eduard Wallnöfer noch etwas wert ist, der da gesagt hat: In dem Moment, wo die Schützen Tirols nicht mehr an die Landeseinheit glauben, sind sie überflüssig geworden.

Und ich muss zugeben, es kommen einem manchmal wirklich Zweifel, ob es so mancher Politiker ernst meint, wenn er von Einheit spricht, in Wirklichkeit aber nichts dafür tut. Die Tiroler Schützen haben im letzten Jahr – übrigens auch auf Anregung der Politik – im Rekordtempo den Gesamttiroler Schützenbund zum Verband Tiroler Schützen hin reformiert. Trotz salbungsvoller Worte ist die konkrete Unterstützung durch die Politik, zumindest von Südtiroler Seite, bislang absolut ausgeblieben. Ein entsprechendes Ansuchen wurde letzthin mit der Begründung abgelehnt, dass man für eine neue Struktur und neue Kosten keine Förderung gewähren möchte. Bei allem Respekt: wenn man so mit Zukunftsvisionen umgeht, und offenbar – anders ist es nicht zu erklären – aus wahltaktischen Überlegungen heraus einheitsfördernde Maßnahmen verhindert, ja dann wird man sich morgen in Bozen den Vorwurf mangelnder Professionalität gefallen lassen müssen.

Wie auch immer, liebe Schützen, Infrastrukturen kann man bauen, aber Menschen muss man gewinnen. Man muss sie dafür gewinnen, dass sie sich innertirolisch nicht weiter als Konkurrenten, sondern als Gleiche unter Gleichen sehen. Und sich die Stärken einer jahrhundertealten Einheit wieder vor Augen führen. Menschen, die alle an einem Strang ziehen müssen, um im Sturm der Zeit bestehen zu können.

Genau so stell ich mir Tirol vor, ein buntes Bild an Männern und Frauen, die wissen, für was sie einstehen, Männer und Frauen, die noch Ideen haben, wie sie ihre Zukunft gestaltet haben möchten. Ein Bild, wie ich es heute vor mir sehe.

Hoch Tirol!

Elmar Thaler
Landeskommandant

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Fahnenweihe der Schützenkompanie Neumarkt
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