Start der „AKTION HEIMAT“

BRUNECK – „Aktion Heimat“ ist eine Plakataktion, die in Zusammenarbeit des Schützenbezirkes Pustertal, des Heimatpflegeverbandes Bezirk Pustertal und des ASGB zum  sehr aktuellen Thema „Ausverkauf der Heimat“ durchgeführt wird.  Die Aktion hat heute, am 22.03.2012 mit einer gemeinsamen Pressekonferenz der drei Organisationen begonnen.

An vier Stellen des Pustertales, des Gadertales und des Tauferer-Ahrntales werden fünf Wochen lang großformatige Plakate mit jede Woche wechselnden Slogans auf die Problematik hinweisen und vor allem an die politischen Entscheidungsträger im Land appellieren, sich ehestens und konsequent dieses Problems anzunehmen und schnellstens Lösungen zu suchen – der Verlust an Heimat geht alarmierend schnell vor sich.

In Südtirol – und ganz  besonders in vielen Orten des Puster- und Gadertales – werden  immer mehr Wohnungen an Personen aus anderen Provinzen und Ländern verkauft. Kurzsichtige Gewinnsucht und Gewinnmaximierung sind die Triebfedern für diese  unter vielerlei Gesichtspunkten  einschneidende Entwicklung. In Innichen ist jede 4. Wohnung eine Zweitwohnung, in Toblach und Niederdorf jede 3. In Corvara gibt es sogar mehr Zweitwohnungen als ständig bewohnte Wohnungen. Im Bezirk Pustertal gibt es  4000 ZW, 2000 davon befinden sich allein in fünf Gemeinden. In ganz Südtirol gibt es 11.500 ZW, die Gemeinde Welschnofen hält die die Spitze mit  1/3 mehr ZW als Erstwohnungen. In Tourismusgegenden kommen die Besitzer von ZW zu 90% aus Italien.

Durch diesen Verlust an Heimat werden die betroffenen Ortschaften nicht nur ausverkauft, sondern auch in ihrer ursprünglichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Struktur einschneidend verändert.

Unsere Dörfer und Täler verlieren immer mehr ihre eigene Identität. Die Bindung an Grund und Boden geht verloren; man betrachtet vieles nur mehr unter dem Aspekt des Geschäfte Machens. Die traditionellen baulichen Strukturen müssen Appartementhäusern  und Zweitwohnsitzen weichen, die teilweise auch das jeweilige Ortsbild aufgrund ihrer großen Volumen oder aufgrund eines anonymen Stils nachhaltig negativ verändern.

Die Zusammensetzung der Volksgruppen wird durch den Zuzug verändert.

Neues Bauland oder Bausubstanz wird aufgrund der starken Nachfrage vonseiten Provinzfremder für die Einheimischen zu teuer. Vor allem für die Jugend wird das   Wohnen in ihrer Heimat oft unerschwinglich; ihre Zukunft im Heimatdorf  wird ihnen im wahrsten Sinn des Wortes „verbaut“; viele sehen sich jetzt schon gezwungen,  sich andernorts (z.B. im günstigeren Osttirol) niederzulassen. In Toblach beispielsweise zahlt man lt. Internet  für 75 m2  550.000 €. = 8.000 €/m2.

Die ortsfremden Zweitwohnungsbesitzer sind kaum daran interessiert, das soziale Netz des Dorfes mitzutragen, zumal sie auch  nur zu bestimmten Urlaubszeiten anwesend sind. Sie unterstützen also auch nicht den Zusammenhalt  einer dörflichen Solidargemeinschaft.

Ein neuer Aspekt ist auch, dass sich ältere Leute aus anderen Provinzen in unseren Dörfern einkaufen: Sie verzerren die normale Bevölkerungsstruktur und Bevölkerungsentwicklung und kippen das Gleichgewicht zu ungunsten der jüngeren Einwohner. Als Bürger unserer Gemeinden und Dörfer können sie  unsere sozialen und gesundheitlichen Einrichtungen  in Anspruch nehmen und belasten damit zusätzlich unser Sozial- und Gesundheitssystem – auf Kosten der heimischen Bevölkerung, vor allem der Jugend.

Auch die wirtschaftliche und speziell die touristische Entwicklung wird einschneidend verändert, denn: Zweitwohnungen sind verlorene Gästebetten. Die Zweitwohnungsbesitzer nutzen zudem zwar  das touristische Angebot und die Dienste, leisten aber beispielsweise keinen Tourismus- Solidarbeitrag.

Auch die architektonisch meist wenig ansprechenden Zweitwohnungen lassen die Attraktivität eines Tourismusdorfes sinken – wenn Dörfer zunehmend verstädtern und ihr ursprüngliches Gesicht verlieren, auswechselbar werden, ist das ein hoher Qualitätsverlust für Gast und Einheimischen.

Das ganze Problem des Ausverkaufes hat das Landesraumordnungsgesetz möglich gemacht; die Landespolitik reagiert viel zu zögerlich auf dieses gravierende Problem. Die Raumordnung ist in eine RaumUNordnung ausgeartet. Die Bau- und Immobilienlobby hat in Südtirol anscheinend beste Kontakte zur Politik; dies wird wohl auch ein Grund für die negative Entwicklung sein.

Die drei Organisationen haben auch Lösungsvorschläge:

  • In gewissen Gebieten alle Wohnbauten samt dem Bestand zu 100% zu konventionieren und damit den Einheimischen vorzubehalten – zumindest für einen bestimmten Zeitraum.
  • Radikal höhere Besteuerung von Ferienwohnungen! Das kommt den Gemeinden zugute!
  • Einbau von Hürden für die Erlassung von Ansässigkeiten.
  • Festschreibung der Konventionierung geförderter Wohnungen und Hotelbetriebe.

Im Tiroler Raumordnungsgesetz wird die Anzahl der Freizeitwohnsitze auf max. 8 % je Gemeinde festgelegt –  warum hat man es  bei uns versäumt, solche Maßnahmen zu treffen?

Die Zukunft unserer Jugend, die Fortentwicklung unserer Tradition, die Entwicklung unseres Tourismus, die Solidargemeinschaft unserer Wohnorte stehen auf dem Spiel – die Politik ist gefordert, jetzt endlich massiv und nicht nur kosmetisch gesetzgeberisch einzugreifen!

Kontaktadressen:

Im Bild (v.l.) Klaus Graber (Heimatpflegeverband), Hptm. Erich Lanzinger (SK Sexten), Mjr. Karl Kasseroller (SSB-Umweltreferent), Albert Willeit (Heimatpflegeverband), Toni Tschenett (ASGB), Claudia Plaikner (Heimatpflegeverband), Michael Burger (Heimatpflegeverband), Mjr. Haymo Laner (Bezirksmajor Pustertal) und Walter Harpf (Heimatpflegeverband).
Aktion Heimat, Bruneck
Bezirkstag Pustertal in Ehrenburg
Gründungsversammlung der Schützenkompanie Afing

Ähnliche Beiträge