Predigt Andreas-Hofer-Landesfeier Meran, 19.02.2012

Liebe Tirolerinnen und Tiroler, liebe Kameraden.

Wenn die Zeiten schlechter werden, wird der Ruf nach Erlösung lauter.

Das war zur Zeit des Mose so, der zusehen musste, wie sein Volk vom Pharao geknechtet war. Das war zur Zeit des Jesaja so, als das israelitische Volk vor den Assyrern zitterte. Das war zur Zeit Jesu so, als das Volk nach dem Messias rief, weil es unter römischer Herrschaft stöhnte. Das ist noch heute so, wenn immer Chaos und Leid größer werden.

Jedoch wissen auch wir aus leidvoller Geschichte, dass solche starken Männer, oder Frauen, das Vertrauen, das in sie gesetzt wurde, nur selten verdienen. Meistens war nach ihrer Herrschaft das Chaos größer als vorher.

Auch Andreas Hofer war so einer, der gerufen wurde. Er vertraute auf Gottes Hilfe und versuchte aus seinem Glauben und aus seiner Überzeugung heraus das Richtige für Land und Leute – für Tirol – zu tun.

Aber auch nach ihm blieb zunächst Enttäuschung. Das konnte und kann auch nicht anders sein, denn zu hohe Erwartungen bedingen Misserfolg.

Aber letztlich ist es genau dieser Misserfolg, der Andreas Hofer für uns zum Helden macht, zum Vorbild.

Es sind nicht seine Schlachten und Kämpfe, nicht sein Amt als Landeskommandant, es ist nicht seine politische Tätigkeit, nicht seine Erfolge heben diesen Passeirer Wirt so hervor. Nicht deshalb sind wir heute hier, nicht nur deshalb.

Sondern, weil er auf Gottes Hilfe vertraute. Weil er da geblieben ist, weil er nicht geflohen ist, weil er sich nicht in Sicherheit brachte. Er ist bei seiner Familie geblieben, als sich die Erwartungen der Leute gegen ihn kehrten.

Jesus hat mit den Erwartungen der Menschen zu kämpfen.

Er, der Messias, sollte nach der Meinung der einen politische Freiheit bringen.

Er sollte, nach der Meinung anderer, mit dem Schwert dreinschlagen, um Israel von den Römern zu befreien.

Er sollte sich voller Macht und Herrlichkeit zeigen, um alle Fragen zu beseitigen. Und ein bisschen erwarten wir das noch heute von ihm.

Jedoch zeigt er durch sein Wort und seine Taten, dass er die Freiheit jedes Menschen will, dass er mit Heil und Frieden den Menschen begegnet und dass seine Macht und Größe sich gerade in der Ohnmacht zeigt.

Wenn wir nach Erlösung rufen, dann ist das mehr als legitim.

Das Chaos scheint sich zu verstärken und Leid zu wachsen.

Wenn wir Erlösung suchen, dann nicht in erster Linie durch Menschen, denn die Erwartungen in sie sind trügerisch.

Wenn wir Erlösung suchen, dann beim Herrn unserer ewigen Heimat, bei dem, in den wir alle Hoffnung setzen, bei dem, der sich um uns sorgt.

Wenn wir Hilfe erwarten, dann in erster Linie von Jesus Christus, Denn er ist der Weg und die Wahrheit und das Leben.

Andreas Hofer hat darauf vertraut und wurde darüber zum Helden.

Wir sollen darauf vertrauen, und so wieder wahre Tiroler werden.

P. Christoph Waldner OT
Landeskurat

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