Der Bondi-Brief, ein Jahr danach. Schützenbund reißt Geduldsfaden

BOZEN – „Das Duce-Relief am Bozner Finanzgebäude muss weg“, wurden Südtirols Politiker, unter ihnen Landeshauptmann Durnwalder, und die Parlamentarier Zeller und Brugger wortwörtlich am 25. Jänner 2011 in den Dolomiten zitiert.

Unter anderem bestätigte Sandro Bondi in seinem Brief an Luis Durnwalder vom 25. Jänner 2011, „dass die faschistischen Relikte im Stadtzentrum an andere Standorte, u. a. in museale Einrichtungen, verlegt werden können, die geeigneter sind, ihren historischen Wert zu unterstreichen. Im Besondern gilt das für das Piffrader-Relief, welches am Finanzgebäude auf dem Bozner Gerichtsplatz angebracht ist. Die Entfernung desselben kann auch von der Provinz durchgeführt werden“.

Obwohl der damalige italienische Kultusminister Sandro Bondi als Preis für die Stimmen der SVP einen Freibrief für die Entfernung des Reliefs samt seinen Mussolini verherrlichenden Insignien ausgestellt hat und dieser Brief ein offizieller Verwaltungsakt ist, prangt es heute, genau ein Jahr danach, immer noch am Finanzgebäude.

„Immer dann, wenn wir nach dem Zeitpunkt für die Entfernung gefragt haben, kamen ausweichende Antworten“, meint Südtirols Schützenchef Elmar Thaler. Demnach wären die Kompetenzen für die Entfernung bei den Ministerien in Rom zu klären und nicht zuletzt auch die Kostenfrage. Feststellungen, die für viele nur faule Ausreden sind. Selten war man öffentlich über die Untätigkeit der Verantwortlichen so erzürnt, und kaum einmal standen die faschistischen Denkmäler derart in der öffentlichen Diskussion wie jetzt.

Nun reißt dem Schützenbund in der Bozner Schlernstraße aber der Geduldsfaden. „Es wird immer offensichtlicher, dass Ideenwettbewerbe nur dazu da waren, Zeit zu gewinnen.“ Und man stellt ein Ultimatum. „Entweder kommt das Duce-Relief innerhalb der nächsten 3 Monate weg, oder es wird am kommenden 24. April wieder einen Aufmarsch der Schützen in Bozen geben. Einen Aufmarsch, der die vergangenen vielleicht sogar in den Schatten stellen wird.“ Dies wird der Landeskommandant bei der in Kürze stattfindenden Bundesausschusssitzung beantragen. Die Zustimmung der Delegierten wird eine reine Formsache sein.

„Wir wollen endlich Taten sehen. Dass man eine solche historische Chance, bei der es sogar die staatliche Genehmigung zur Entfernung eines faschistischen Reliktes gibt, ungenutzt verstreichen lässt, ist für die Bevölkerung nicht nachvollziehbar“, heißt es aus der Bozner Schlernstraße, wo der Schützenbund seinen Sitz hat.

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